Deshalb sollten Sie Voraktivierung kennen

Deshalb sollten Sie Voraktivierung kennen

Lichthärtung für nicht-durchstrahlbare Substrate

Die Voraktivierung ist eine besondere Variante der Lichthärtung. Anwender können damit auch nicht-durchstrahlbare Substrate mit Licht verkleben.

Will ein Unternehmen mehrere Hunderttausend oder sogar Millionen Stück eines Produkts jährlich fertigen, sind vollautomatisierte Produktionsabläufe und extrem kurze Taktzeiten gefragt. Dafür finden in erster Linie licht- oder dualhärtende Klebstoffe Verwendung.

Lichthärtende Klebstoffe setzen voraus, dass mindestens ein Fügepartner ein voll durchstrahlbares Substrat wie Glas, PC oder PMMA ist. Nur dann kann die Lichtenergie zu einer vollständigen chemischen Aushärtungsreaktion führen.

Dualhärtende Klebstoffe kommen zum Einsatz, wenn es Schattenzonen gibt. Schattenzonen sind die Bereiche, in denen nach dem Fügen kein Licht auf den Klebstoff trifft. Sie entstehen, wenn beide Fügepartner nur teilweise oder gar nicht durchstrahlbar sind. Dabei wird der Klebstoff soweit wie möglich mit Licht ausgehärtet. Die Endaushärtung des Klebstoffs in den Schattenzonen erfolgt dann in einem nachgelagerten, zweiten Prozessschritt.

Dennoch lässt sich das Grundprinzip der Lichthärtung auch nutzen, wenn zwei nicht durchstrahlbare Substrate verwendet werden und es auch keine ausreichend große Kehlnaht – das ist der Klebstoff, der zwischen zwei Fügepartnern sichtbar ist – für das Fixieren der Bauteile gibt.

In diesen Fällen können Nutzer auf voraktivierbare Klebstoffe zurückgreifen. Das Besondere an der Voraktivierung ist, dass der Klebstoff direkt nach dem Dosieren und vor dem Fügen belichtet wird. Er wird also zunächst auf das erste Bauteil aufgetragen und anschließend für wenige Sekunden belichtet, was die Vernetzung des Klebstoffs auslöst.

Während der sogenannten Offenzeit behält der Klebstoff noch seine ursprüngliche Benetzungsfähigkeit, sodass man im Anschluss an die Voraktivierung die beiden zu verklebenden Teile fügen und justieren kann. Die Offenzeit beträgt typischerweise 20 Sekunden, lässt sich aber in kundenspezifischen Modifikationen auch kürzer oder länger einstellen.

Anschließend härtet der Klebstoff ohne zusätzliches Licht innerhalb weniger Minuten bis zur Anfangsfestigkeit aus. Ab diesem Punkt lässt sich die Baugruppe weiterbearbeiten, ohne dass es zum Verrutschen der gefügten Substrate kommt. Seine Endfestigkeit erreicht der Klebstoff ohne weitere Prozessschritte innerhalb von 72 Stunden, wobei Wärmezufuhr die Aushärtung noch beschleunigt.

Da Bilder manchmal mehr als 1000 Worte sagen, erklären wir die Voraktivierung in diesem Video genauer und vergleichen sie mit dem Standard-Lichthärtungsprozess:

Voraktivierbare Klebstoffe werden zum Beispiel für Zierelemente im Cockpit von Autos verwendet. Es gibt sie in einer großen Bandbreite an Elastizitätsmodulen: als besonders flexible Produkte auf Basis modifizierter Urethanpolymere (DELO PHOTOBOND LA) und als härtere Epoxidharze aus der DELO KATIOBOND Familie. Anwender können so je nach mechanischen, chemischen und thermischen Anforderungen das passende Produkt wählen.